Aus dem Leben eines Schulhundes

 

Ein Hund in der Schule!? Vor einigen Tagen erschien der Bericht über mich, die Schulhündin LUNA, in der Zeitung. Seitdem wurde Frau Orschulko (meine „Chefin“) so häufig auf meine Arbeit als Schulhund angesprochen, dass wir beschlossen, auf einige Fragen näher einzugehen.

Wir, das sind Frau Orschulko, Lehrerin an der Jeetzel-Oberschule und ich – LUNA, eine (wie ich finde) aparte Labradoodle-Hundedame.

Ich ziehe es übrigens vor, Frau Orschulko als „Chefin“ zu bezeichnen, weil wir Hunde eine klare Struktur und eine gute Ausbildung an der Seite eines liebevollen aber konsequenten  Menschen brauchen.

Aus meiner Sicht führe ich ein sehr angenehmes Hundeleben mit einer außerordentlich fürsorglichen Chefin. Sie kümmert sich darum, dass ich regelmäßig geimpft und entwurmt werde, weil  ich nur gesund in die Schule darf. Ich bin mit meinen fast zwei Jahren noch relativ jung, neugierig und verspielt - und mag Kinder sehr gerne. Deshalb war ich auch sofort begeistert, als vor circa einem Jahr die Idee entstand, mich nach der Welpen- und Junghundschule als Schulhund ausbilden zu lassen. Diese Ausbildung macht meine Chefin berufsbegleitend; sie dauert etwa anderthalb Jahre und stellt sicher, dass die Bedingungen für mich und alle am Projekt beteiligten großen und kleinen Menschen optimal sind – und wir gut mit- und voneinander lernen können.

 

In der Klasse 6b der Jeetzel Oberschule ist meine Chefin Klassenlehrerin und mein erster Arbeitstag war für alle ziemlich aufregend. Die 27 Kinder wollten mich am liebsten gleich alle anfassen und streicheln und einige waren auch ziemlich laut. Manche zeigten sich zurückhaltender und hatten  Respekt vor mir, ich bin ja auch ein großer, schwarzer Hund. Das finde ich gut, denn ich gehe gerne von mir aus auf Menschen zu und mag nicht von so vielen Händen gleichzeitig angefasst werden. Die vielen lauten Stimmen und Berührungen sind mir unangenehm, weil einige meiner Sinne um ein Vielfaches sensibler und besser ausgebildet sind als die der Menschen. (Das mag für manche Leser ein wenig überheblich klingen, ist jedoch eine Eigenschaft, die auch gern von den Menschen genutzt wird. Googeln Sie doch mal unter dem Stichwort: Drogen-, Blinden-, Wach-  und Diabetes-Hund). Ich bin jedenfalls sehr froh, dass die Kinder auf meine empfindlichen Ohren Rücksicht nehmen und sich alle an bestimmte Regeln im Umgang mit mir halten.

 

Inzwischen bin ich einmal in der Woche in der Jeetzel-Oberschule in Lüchow und die SchülerInnen der 6b finden es völlig normal, wenn ich meinen Dienst an der Seite meiner Chefin antrete. Auch die Kinder der anderen Klassen begrüßen mich freundlich und freuen sich, mich zu sehen, wenn ich mit meiner Chefin zusammen über den Schulhof oder durch das Schulgebäude gehe. In der Klasse angekommen, gehe ich zunächst herum und begrüße meine Schützlinge schwanzwedelnd. Danach mache ich es mir häufig auf meiner Matte bequem und beobachte, was heute so auf dem Lehrplan steht.

 

Zurzeit arbeiten unsere Kinder an einem Lesetagebuch, das heißt, sie lesen ein Buch und bearbeiten dazu allein oder mit einem Partner selbstständig Aufgaben. In solchen Momenten streife ich dann durch den Klassenraum und geselle mich kurz zu den Kindern, bei denen ich eine Unruhe spüre. Sie streicheln mich, meistens nebenbei und werden augenblicklich ruhiger. Natürlich genieße auch ich diesen Kontakt und ich freue mich sehr, wenn die Kinder sagen, dass ihnen meine Anwesenheit gut tut. Lina Balschat und Hanna Hasse zum Beispiel drücken das so aus: „Es ist echt cool, wie man sich durch das Streicheln beruhigt, wenn man durch irgendetwas gestresst ist“.

Auch schüchterne Kinder, die Angst vorm Vorlesen haben, lesen mir gerne vor, weil ich für sie ein wohlwollender Zuhörer bin, ohne Wertung und ohne den Text zu verstehen.
Aber – was ich immer wahrnehme, sind die Bemühungen der jeweiligen VorleserIn und die Aufregung und Anstrengung, die manchmal mit dem Lesen verbunden sind.

 

Was ich ebenfalls spüre, sind die Unruhe und die damit einhergehenden Schwierigkeiten einiger Kinder, sich zu konzentrieren. Das finde ich sehr schade, denn ich nehme bei diesen SchülerInnen häufig ein unbefriedigtes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Nähe wahr, aber auch Unsicherheit und ein geringes Selbstwertgefühl.

 

Insgesamt fühle mich ausgesprochen wohl an meinem Arbeitsplatz und spüre bei meinen Schützlingen ebenfalls Wohlbefinden, Vertrauen und Sicherheit, wenn sie in meiner Nähe sind. Und wenn ich mal in den Pausen an die frische Luft und zur Toilette muss, wissen mittlerweile ALLE SchülerInnen, dass die Entsorgung meiner Hinterlassenschaft eine selbstverständliche Aufgabe ist. Ganz nebenbei lernen sie auch viel über den „richtigen“ Umgang mit mir und meinen Artgenossen – und wissen den Wert eines anderen Lebewesens zu schätzen.

 

Ich hoffe, dieser Artikel gibt einen kleinen Einblick in meine Arbeit als Schulhund und das besondere Verhältnis zwischen den Kindern und mir. Sollten für Sie, liebe LeserInnen, noch einige Fragen offen geblieben sein, wenden Sie sich bitte an meine Chefin. Die Einhaltung des Dienstweges ist wichtig (Hunde brauchen eine klare Struktur) und wir werden uns bemühen, jede Ihrer Fragen zeitnah zu beantworten.

Herzlichst, Ihr Schulhund LUNA

 


 

INTERVIEW MIT LUNA

Marc aus der Homepage-AG fragte sich kürzlich, warum unser AG-Maskottchen Betty kein Schulhund sei, obgleich sie doch jeden Montag mit uns im Computerraum sitzt. Auf unserer HP fand er bereits eine Menge Informationen über Schulhund Lunas Tätigkeiten, allerdings nichts über ihreAusbildung. Also schnappte er sich ein Mikrofon und zog los. Luna zeigte sich sehr erfreut über Marcs Interesse und gab ihm bereitwillig Auskunft. Das gesamte Interview findet Ihr hier:

  


Was hast du in der Ausbildung gemacht? 

Vor der Ausbildung zum Schulhund war ich regelmäßig in einer Welpenschule, dann in einer Junghunde- Schule. Dort habe ich v.a. Übungen zum Grundgehorsam gemacht (z. B. Sitz, Platz, Bleib, Rückruf, Leinenführigkeit, das “Am-Fuß-Gehen“) und wurde auf die Begleithundeprüfung vorbereitet. Aber auch das Spielen mit anderen Hunden war wichtig, damit ich lerne, gut mit anderen Hunden auszukommen.

In der Schulhundausbildung wurden wir als Schulhund-Team ausgebildet, d.h. wir Vierbeinigen Begleiter mussten mindestens genauso viel lernen wie Frauchen oder Herrchen...
Mein Frauchen hat z.B. gelernt, wie wichtig es ist, mit mir nicht zu schimpfen oder mich zu bestrafen für Dinge, die ich falsch gemacht habe , sondern mich immer zu loben, wenn ich etwas richtig gemacht habe. Dabei spielt auch die Belohnung eine wichtige Rolle, das können Leckerlies sein, aber auch streicheln, loben, spielen lassen, wälzen lassen, Löcher buddeln lassen etc. Dinge die ich gut gemacht habe, verstärkt mein Frauchen außerdem mit dem Wort “Klick“, das ich von Zeit zu Zeit mit einem Lieblingsleckerlie verknüpfe. So weiß ich immer, woran ich  bin und ob ich etwas gut mache.
Außerdem hat mein Frauchen gelernt:

  • Training von bestimmten praktischen Befehlen für den Schulalltag
  • Erkennen von Stresszeichen beim Hund
  • Hygiene und Gesundheitsprophylaxe
  • Entspannungstraining für den Hund
  • Verknüpfung von Befehlen mit Sichtzeichen (Handzeichen)
  • Handführung
  • Pulsmessen
  • Und vieles mehr...

Ich habe  gelernt,…

  • ruhig im Umgang mit SchülerInnen zu sein,
  • nicht anzugreifen, wenn ich  mich bedroht fühlt, sondern wegzulaufen
  • Menschen zu vertrauen und kleine Übungen mit ihnen zu machen ( z.B. einen Parcours, Vertrauensübungen, Such- und Bringspiele.)
  • Aber auch ein paar Tricks, z.B. auf oder über Hindernisse springen
  • Auf Befehl wälzen, “robben“ oder “give me five“ machen...
  • Ich habe alles spielerisch gelernt und ich habe  großen Spaß dabei

Wo war die Ausbildung?
Bei ColeCanido, das ist ein Verein, der sich speziell um eine gute Ausbildung von Schulhunden und deren BegleiterInnen kümmert. Das Training erfolgte mit zwei HundetrainerInnen in den Räumen einer Hundeschule in Artlenburg und lief über mehrere Wochenenden. (Praxis und Theorie), insgesamt 60 Stunden.


> Wie lange war die Ausbildung an einen Tag (Uhrzeit)?

Die Fortbildung begann meist um 9.30 mit dem Kennenlernen der Hunde und dauerte bis 17 oder 18 Uhr. Das war ganz schön anstrengend!


> Warum ist die Ausbildung wichtig?


Die Ausbildung ist deshalb so wichtig, damit alle, die mit dem Schulhund zu tun haben, gute und positive Erfahrungen sammeln können. Es soll ja keiner zu Schaden kommen! Ganz wichtig ist die Ausbildung auch, damit es auch mir an der Schule immer gut geht und ich nicht “gestresst“ bin. Dafür schafft die Ausbildung eine wichtige Grundlage, weil mein Frauchen z.B. lernt, wie es Stress bei mir erkennen und vermeiden kann.


> Wie viele waren in der Gruppe?


Maximal 10 Teams, d.h. 10 Hunde mit BegleiterInnen.


> Gab es eine Urkunde?  Wenn ja, bitte Foto?


Ja, am besten mein Frauchen bringt sie dir mit, dann kannst du sie abfotografieren, ok?


> Wie war die Bewertung?
Die Hundetrainerinnen haben die Teams aufgrund  ihrer Beobachtungen während der 1,5 jährigen Fortbildung bewertet. Außerdem musste mein Frauchen am Schluss eine theoretische und eine praktische Prüfung machen. Für die Theorie musste sie 3 Bücher pauken.... Außerdem musste mein Frauchen zwei kleine Filme von mir an der Schule einreichen.
Ich war super in der praktischen Prüfung. Und mein Frauchen  hat die theoretische Prüfung auch bestanden... Wir haben uns beide über die tolle Beurteilung gefreut... und ich habe zur Belohnung einen riesen Kauknochen bekommen!!!