Pädagogisch Didaktisches Konzept der Oberschule Lüchow

„Jahrgangsteams“

    

Gliederung

  1. Vorwort
  2. Kooperation und Teamarbeit
  3. Rahmenbedingungen
  4. Unterrichtskonzept
  5. Abschließende Bemerkungen

 

1.                Vorwort

Aufgrund der Fusion von Haupt- und Realschule zur Oberschule Lüchow beschäftigt sich seit dem Schuljahr 2010/2011 eine Arbeitsgruppe aus dem Kollegium mit der Erarbeitung eines pädagogischen Konzeptes für eine gemeinsame Schule.

Das entwickelte Konzept von 2011 wurde im Schuljahr 2013/14 evaluiert und überarbeitet. Die Erfahrungen von inzwischen drei Oberschuljahrgängen sind eingearbeitet worden.

Die Oberschule Lüchow als weiterführende Schule soll dazu beitragen miteinander zu lernen, zu leben und zu arbeiten. Die vielfältigen Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern bereichern eine Schule, stellen andererseits aber auch eine Herausforderung dar.

Durch gezielte individuelle Förderung soll der wachsenden Heterogenität begegnet und das Lernen an unserer Schule erleichtert werden.

Ziel ist es, eine Schule zu entwickeln, die in der Lage ist, bei den Schülerinnen und Schülern Eigenverantwortung und Selbstständigkeit in Bezug auf den eigenen Lernprozess besonders zu fördern.

Jede Schülerin und jeder Schüler soll Fach- und Methodenkompetenzen erwerben, um damit im Rahmen der eigenen Möglichkeiten den bestmöglichen Abschluss erreichen zu können und optimal auf Ausbildung, Beruf, Studium oder Arbeitswelt, Familie und Gesellschaft-Demokratie vorbereitet zu werden.

Unter dem Motto „Gemeinsam lernen und sich individuell entwickeln“  soll ein Umfeld geschaffen werden, in dem Schülerinnen und Schüler lernen, mit Unterschieden zu leben, in dem sie die nötige Toleranz, soziale Kompetenz und Kommu­nikationsfähigkeit für ein Leben in einer pluralistischen Gesellschaft erwerben.

Anders-Sein soll nicht nur toleriert, sondern respektiert und wertgeschätzt, und Verschiedenheit nicht als eine Bedrohung der eigenen Identität, sondern als Bereicherung der eigenen Persönlichkeit erlebt werden.

Die Schule soll als attraktiver Lebensraum wahrgenommen werden, in dem sich Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Mitarbeiter wohlfühlen und in dem ungestörter Unterricht in einer Atmosphäre von Respekt und Freundlichkeit stattfinden kann.

Siehe Anhang: Leitbild der Jeetzel-Oberschule 2013

Eine partnerschaftliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten ist uns wichtig.

Dieser Herausforderung wollen wir uns gerne stellen. Tragende Säulen des vorliegenden Konzepts sind die Bildung von Jahrgangsteams, verbindliche Rahmenbedingungen und das Unterrichtskonzept.

2.                Kooperation und Teamarbeit

Die Schülerinnen und Schüler einer Klasse werden von zwei Klassenlehrern (=Tandem) vom 5. bis zum 8. Jahrgang pädagogisch und fachlich begleitet. Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf werden je nach Anzahl in einer bzw. zwei Klassen beschult. In diesen Klassen bilden ein Regelschullehrer und ein Förderschullehrer gemeinsam ein Tandem. Zusammen mit allen weiteren Tandems des jeweiligen Jahrgangs bilden diese ein Jahrgangsteam.

Ein Jahrgangsteam besteht möglichst immer aus mindestens sechs Lehrkräften und sollte über die ersten beiden Jahrgänge möglichst stabil bleiben.

Für den Fall, dass nur zwei Klassen in einem Jahrgang gebildet werden können, wird das Jahrgangsteam durch zwei Fachlehrer unterstützt. Diese zwei Kollegen unterrichten ebenfalls möglichst viele Stunden im Jahrgang, damit alle Lehrerinnen und Lehrer des Teams eine sehr intensive Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern aufbauen und deren Entwicklung verfolgen können.

 

Das Konzept „Jahrgangsteam“ steht dafür, dass eine geringe Anzahl von Lehrerinnen und Lehrern für das fachliche Lernen und die persönliche Entwicklung einer Jahrgangsstammgruppe verantwortlich sind. Sie decken bis auf kleine Ausnahmen den wenn möglich kompletten (wenn möglich auch fachfremden) Unterricht in diesem Jahrgang ab. Nur so ist gewährleistet, dass die notwendige Kommunikation im Jahrgang nicht durch zu große Arbeitsbelastung verhindert wird. Und nur so können Pläne und Absprachen im Team erstellt und umgesetzt werden.

Da fachfremder Unterricht nicht immer vom Jahrgangsteam allein geleistet werden kann, wird es zusätzlich von wenigen Fachlehrkräften unterstützt, z.B. für Sport. Auch hier soll Kontinuität gewährleistet werden. Um Unterrichtsstörungen zu vermeiden bzw. ihnen vorzubeugen und das soziale Lernen einer Gruppe zu unterstützen, soll ein häufiger Fachlehrerwechsel vermieden werden, Vorrang hat das Klassenlehrerprinzip.

Verbindliche Jahrgangsteam-Sitzungen dienen der Koordination und Kooperation. Sie  finden  wöchentlich in Eigenregie stattfinden  und bieten Raum für Absprachen und die Vorbereitung der pädagogischen Arbeit (Elternabende, Projektarbeit, Unterrichtsplanung etc). Die Lehrkräfte eines Teams werden höchstens für einen Nachmittag im Ganztagsunterricht eingesetzt. Der Montagnachmittag ist für Teamsitzungen vorgesehen, wobei am ersten Montag im Monat darüber hinaus auch die allgemeine Dienstbesprechung stattfindet, am dritten Montag im Monat eine pädagogische Dienstbesprechung, die für die Jahrgangsteams von der Didaktischen Leitung mit gestaltet wird.

Die Kommunikation erfolgt darüber hinaus auch über das IServ- System der Schule, hier sind die Jahrgangsteams als Gruppe angelegt und es gibt Jahrgangsordner für den Austausch der Unterrichtsmaterialien. Vereinbarungen während der Teamsitzungen werden schriftlich festgehalten.

Übergabegespräche mit den Grundschullehrkräften finden bis zu den Herbstferien im Jahrgang 5 statt.

3.                Rahmenbedingungen

Jedem Jahrgang sind in der Schule räumliche Bereiche zugeordnet. Die einzelnen Klassen beziehen einen eigenen Klassenraum und gestalten diesen gemeinsam nach ihren Vorstellungen, denn er ist ihre Lernumgebung für die nächsten Jahre.

Das angestrebte Unterrichtskonzept der Oberschule fördert das eigenverantwortliche und interessengeleitete Lernen der Schülerinnen und Schüler, verbessert ihre Selbsteinschätzung und leistet einen Beitrag zur Steigerung ihrer Sozialkompetenz. Des Weiteren ermöglicht das Unterrichtskonzept für jeden einzelnen Schüler den Ausbau der individuellen Förderung und Forderung.

 

Die dazu erforderlichen Maßnahmen werden sehr unterschiedlich ausfallen und werden deshalb im jeweiligen Jahrgangsteam hinsichtlich der Voraussetzungen einer erfolgreichen Umsetzung besprochen, um ein konsistentes, produktives und effektives Arbeiten zu gewährleisten.

Eine Maßnahme stellen die Schuleigenen Arbeitspläne dar. In ihnen werden die Kenntnisse und Fertigkeiten sowie die zu erwartenden Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler mit den fachlichen Inhalten des jeweiligen Unterrichtsfaches verknüpft. Sie dienen den Tandems (wie auch dem Jahrgangsteam insgesamt) als Grundlage, um den Umfang des zu vermittelnden Inhalts sowie die Kompetenzen, welche die Schülerinnen und Schüler am Ende der Doppeljahrgangsstufe erreicht haben sollten, bestimmen zu können.

 

4. Unterrichtskonzept

Um an das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler sowie an deren bereits vorhandenen Fähig- und Fertigkeiten anknüpfen zu können, bedarf es der Diagnose. Diese stützt sich zum Einen auf Lernstandsfeststellungen, die in den Hauptfächern unter Verwendung verbindlicher Tests durchgeführt werden, und zum Anderen auf Diagnosegespräche. Die  Lernstandgespräche finden in regelmäßigen Abständen (halbjährig) auf der Basis von ILE - Kompetenzbögen erfolgen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt auf dem Weg zur Umsetzung des Unterrichts­konzepts der Oberschule ist die schrittweise Öffnung des Unterrichts in methodischer, inhaltlicher und räumlicher Hinsicht. Diese ist wiederum Grundlage für die notwendige Binnendifferenzierung, mit deren Hilfe die Schülerinnen und Schüler optimal gefördert und gefordert werden können. Das Lernen an Stationen, die Lerntheke, differenzierte Arbeits- und Wochenpläne sowie Werkstätten und  weitere geeignete Methoden bieten sich an, um die Schülerinnen und Schüler an das selbstverantwortliche Lernen weiter heranzuführen und ihre Fähigkeiten bezüglich Selbsteinschätzung auszubauen. Durch die Einführung eines Experten- und Helfersystems werden sowohl die aufgeführten Ziele unterstützt als auch das kooperative Lernen der Schülerinnen und Schüler untereinander gefördert.

Damit die Öffnung des Unterrichts für den ganzen Jahrgang erfolgen kann, muss sich das Jahrgangsteam auf eine einheitliche Umsetzung der Förderung von Basiskompetenzen, wie u.a. Mappenführung und Organisation des Arbeitsplatzes, einigen. Die Mehrheit der Schüler einer Klasse soll selbständig und eigenverantwortlich arbeiten können, bevor klassenübergreifend der Unterricht geöffnet wird. Spätestens nach den Herbstferien findet der klassenübergreifende Unterricht statt.

Wöchentlich findet, wenn möglich, eine Stunde Fördern und Fordern für die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathematik statt. Das Tandem/ Jahrgangsteam teilt die Schüler in Förder- und Fordergruppen ein. Diese Gruppen können nach einem Vierteljahr, jeweils nach den Ferien, neu eingeteilt werden. 

Darüber hinaus müssen sowohl im Tandem als auch im Jahrgangsteam geeignete Methoden ausgewählt werden, die den Schülerinnen und Schülern in der Doppeljahrgangsstufe vermittelt werden sollen. Diese Methoden unterstützen das eigenverantwortliche Lernen der Schülerinnen und Schüler. Die Auswahl der Methoden orientiert sich dabei am Vorwissen, das die Schülerinnen und Schüler z. B. in der Grundschule erworben haben. Die Vermittlung sowie das Trainieren der geeigneten Methoden erfolgt in den Fächern (Methodenkonzept). Durch das Aufhängen von entsprechenden Methodenplakaten und das Führen einer Methodenmappe wird das Gelernte kontinuierlich visualisiert und gefestigt.

Entsprechende Materialien, die sich auf die Methodik bzw. auf vermittelte Inhalte beziehen, werden für die folgenden Jahrgangsteams gesammelt und an sie weitergegeben. Für diesen Zweck ist das Einrichten einer schuleigenen Mediathek mit Ausleihlisten  ratsam. Basierend auf diesen Unterlagen sowie den schuleigenen Arbeitsplänen erfolgt die Planung für die Arbeit in der jeweiligen Jahrgangsstufe.

Die Arbeits- und Übungsstunden (Werkstattstunden), mindestens zwei pro Woche, sind ein wichtiger Bestandteil des Unterrichtskonzepts.

Diese Stunden liegen für alle Klassen des Jahrgangs als Doppelstunden parallel. Sie können dann je nach Absprache im Jahrgangsteam und in Abhängigkeit von den Unterrichtsinhalten als Freiarbeit oder Projektunterricht (kleinere Projekte), aber auch als Förder- und Forderunterricht gestaltet werden. (Bei letzterem arbeiten die Schülerinnen und Schüler gegebenenfalls mit einem Arbeitsplan; die Wahl von Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit ist von den Aufgaben und der Entscheidung der Schülerinnen und Schüler abhängig.) Jeweils zum Halbjahr, spätestens aber zu Beginn eines Schuljahres könnte ein Wechsel bzw. ein Tausch der Fachstunden, die in diese Werkstattstunden gegeben werden, möglich sein.

Neben den Arbeits- und Übungsstunden ist der epochale Unterricht ein ebenso bedeutender Bestandteil des Konzeptes. Insbesondere in den Gesellschafts- und Naturwissenschaften findet ein epochaler Unterricht statt. Der Fachunterricht dieser Fächer wird so geblockt, dass eine geschlossene Epoche von etwa drei bis vier Wochen entsteht, in der nur eines dieser Fächer unterrichtet wird. In der nächsten Epoche folgt dann ein weiteres Fach.

Des Weiteren legen wir viel Wert auf musisch-kulturelle Angebote während des Schulvormittages. Diese finden zwei Stunden pro Woche möglichst klassenübergreifend in einem Jahrgang statt.

Sozialtraining findet klassenintern in Form von Lions Quest und dem Klassenrat statt. Hierfür sind zwei Stunden beim Klassenlehrer vorgesehen.

Darüber hinaus steht den Jahrgängen ein mobiler Schulsozialarbeiter mit dem erlebnispädagogischem Angebot „Mosaik“ zur Verfügung.

Die Projekttage werden fächer- und klassenübergreifend organisiert und gestaltet. Bei den jeweiligen Projektthemen werden Aspekte wie die jeweilige Jahreszeit, mögliche geplante Klassenfahrten, das Curriculum der Hauptfächer oder gegebenenfalls das Schülerinteresse berücksichtigt. Mindestens zwei Projekte pro Halbjahr stehen den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung. Zur Durchführung der Projekttage wird das Kernteam möglichst umfassend vom Unterricht in anderen Klassen freigestellt. Bewährt haben sich folgende Themen: Klasse 5: Landwirtschaft (Frühjahr), Klasse 6: Sexualität (Sommer), Klasse 7: Kompetenzfeststellungsverfahren (Ende des Schuljahres), Klasse 6/7: Wald (Herbst).

 

Die Zusammensetzung der Schülergruppen sowohl für die Gruppen­arbeitsphasen in den Arbeits- und Übungsstunden als auch an den Projekttagen erfolgt durch das Jahrgangsteam. Bei der Einteilung muss darauf geachtet werden, dass die Schülerinnen und Schüler einer Gruppe sowohl aus unterschiedlichen Klassen als auch leistungsheterogen gebildet werden.

In den Mittagspausen des Ganztagsunterrichts, dienstags und mittwochs, wird eine Hausaufgabenbetreuung angeboten.

 

Die Rituale sind auf der einen Seite Regeln, auf der anderen Seite etwas immer Wiederkehrendes, an dem man sich – im Laufe der Schulwoche, des Schuljahres oder auch der gesamten Schulzeit – orientieren kann.

Eines unserer wichtigsten Rituale ist der Wochenbeginn und -abschluss. Diese beiden Unterrichtsstunden sollten beim Klassenlehrer liegen.

Ebenso finden zu Beginn eines neuen fünften Schuljahres für den gesamten Jahrgang eine gemeinsame Einführungswoche und eine gemeinsame Jahrgangsfahrt statt.

Zudem gelten im gesamten Jahrgang dieselben Regeln und dasselbe Regelsystem, welches zu Beginn eines Schuljahres im Jahrgangsteam unter Berücksichtigung der geltenden Schulordnung gemeinsam besprochen und festgelegt wird.

Ab Jahrgang 7 findet eine äußere Fachleistungsdifferenzierung in den Fächern Englisch und Mathematik statt, in Deutsch ab Jahrgang 8.  Nach festgelegten Kriterien werden die Schüler in den Grundkurs oder Erweiterungskurs vom Fachlehrer eingeteilt. Ein Wechsel kann halbjährlich (nach den Zeugnissen) erfolgen. Die Eltern werden über die Einteilung schriftlich informiert.

4.                Abschließende Bemerkungen

Das Konzept des Jahrgangsteams bietet Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer in weitaus größerem Umfang als bisher einen selbstgestalteten Lebens- und Arbeitsraum in der Schule.

Räumliche und personelle Kontinuität vermittelt soziale Geborgenheit und schafft soziale Verpflichtung und Verbindlichkeit. Die langjährige Zugehörigkeit zu einem Team schafft Vertrautheit sowie emotionale Sicherheit und ermöglicht einen konstruktiven Umgang mit Schwächen und Stärken.

Die Arbeit im Lehrerteam – wie auch im Schülerteam – schützt vor Einzelkämpfer-Mentalität. Die Organisation und Durchführung sowie die pädagogische, fachliche und methodische Vorbereitung von Unterrichts- und Projektvorhaben ermöglicht eine Arbeitsentlastung.

 

Lüchow, 2014