Förderkonzept für die emotionale und soziale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler

Schülerinnen und Schüler (im Folgenden nur „Schüler“) mit Beeinträchtigungen in der emotionalen und sozialen Entwicklung brauchen besondere Unterstützung und förderliche Entwicklungsbedingungen, um am regulären Unterricht teilnehmen und in der Schule in ihrer gesamten Persönlichkeitsentwicklung positiv unterstützt werden zu können. Oft müssen sie wesentliche soziale und persönliche Stärken aufbauen und stabilisieren, die sie für das schulische Lernen in einer Klassengemeinschaft benötigen. Die Jeetzel-Oberschule Lüchow knüpft bei der Förderung dieser besonderen Schüler an langjährige Erfahrungen der Jeetzel- Schule Lüchow und der Realschule Lüchow an.

 

Das Förderkonzept gliedert sich in drei Stufen. Auf der ersten Förderstufe unterstützen präventiv ausgerichtete Maßnahmen das soziale Lernen aller  Schüler. Für einige Schüler werden diese Maßnahmen nicht ausreichen: Für diese Schüler greifen auf der zweiten Stufe pädagogische Interventionen, die individuell an sie angepasst und mit ihnen erarbeitet werden. Einzelne Schüler brauchen darüber hinaus  spezielle Hilfen, die auf einer dritten Stufe erfolgen.

Auf allen Förderstufen wird eng mit den Schülern und Eltern bzw. Erziehungsberechtigten zusammengearbeitet.

  1. 1.      Prävention

Im Pädagogisch-Didaktischen Konzept der Jeetzel-Oberschule Lüchow ist die Arbeit der Jahrgangsteams fest verankert. Das Jahrgangsteam legt bestimmte Handlungsabläufe, Routinen und Verfahrensweisen fest, die dem Unterricht eine klare Struktur geben. So ist im Jahrgang 5/6 z.B. der Umgang mit dem Ampelsystem ein fester Bestandteil. Die Kollegen orientieren sich am Classroom-Management nach C. Eichhorn. Das Leitbild der Jeetzel-Oberschule macht deutlich, dass die Schule als attraktiver Lebensraum wahrgenommen werden soll, in dem sich Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Mitarbeiter wohlfühlen und in dem ungestörter Unterricht in einer Atmosphäre von Respekt und Freundlichkeit stattfinden kann.

Klassenrat

In vielen Klassen findet wöchentlich eine Klassenratssitzung statt. Diese Methode ist ein wichtiger Bestandteil des Sozialen Lernens. Sie fördert die Dialogfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Diese beraten, diskutieren und entscheiden über selbstgewählte Themen. So wird das Miteinander in der Klasse gestärkt, eine Konfliktkultur entwickelt und Gewalt und Mobbing vorgebeugt.

 

 

Lions Quest

Darüber hinaus ist das Lions Quest Programm „Erwachsen werden“ ein fester Bestandteil des Sozialen Lernens. In  den Jahrgängen 5-7 finden wöchentlich zwei Lions Quest Stunden statt. Die Klassenlehrkräfte haben die Grundausbildung absolviert, es gibt ein festgelegtes Curriculum und einen Materialpool, mit dem die Lehrkräfte arbeiten können. Dieses Programm vermittelt Lebenskompetenzen und ist damit eine wirksame Vorbeugung gegen Suchtgefährdung und reduziert die Gewaltbereitschaft. Es fördert Offenheit, Ehrlichkeit und Toleranz und soll die Schülerinnen und Schüler unterstützen, ihr Selbstvertrauen aufzubauen und zu pflegen, Konflikt- und Risikosituationen zu begegnen und für Probleme konstruktive Lösungen zu finden.

Kontinuierliche Beobachtung der Lernenden

Aufgrund kontinuierlicher Beobachtungen können frühzeitig Probleme und Entwicklungsstörungen identifiziert werden. Die Dokumentation der individuellen Lernentwicklung (ILE), pädagogische Konferenzen, diagnostische Verfahren und Elterngespräche unterstützen dabei, Probleme und Entwicklungsstörungen aufzudecken.

  1. 2.      Pädagogische Interventionen für einzelne Schüler

Trainingsraum

Laut Leitbild der Jeetzel-Oberschule hat jeder Schüler das Recht ungestört zu lernen und  jede Lehrkraft das Recht ungestört zu unterrichten. Jeder muss die Rechte des anderen beachten. Dennoch kommt es häufig zu Unterrichtsstörungen. Sie beeinträchtigen das Lern- und Klassenklima und führen zu Lern- und Leistungseinbußen bei Schülerinnen und Schülern und zu erhöhten Stresssituationen für Lehrkräfte.

Um auf Probleme dieser Art zu reagieren, wurde das Trainingsraumprogramm entwickelt. Es bezieht sich auf Störungen jeglicher Art im Unterricht. Erstmals entwickelt und installiert wurde es 1994 in den USA von Edward Ford. Seit 1996 wird es vom deutschen Pädagogen Dr. Stefan Bahlke angewandt und regelmäßig evaluiert.

Zentrale Ziele dieses Systems:

  • Störenden Schülern sollen Hilfen (Raum, Zeit und Unterstützung) angeboten werden, um ihr Arbeits- und Sozialverhalten zu verbessern.
  • Die Schüler sollen  notwendige Schlüsselqualifikationen erwerben.
  • Lernbereite Schüler werden vor Störern geschützt. Ihnen wird ein entspannter, störungsfreier Unterricht geboten.
  • Lehrkräften wird ein ungestörtes Unterrichten ermöglicht.
  • Das Trainingsraumkonzept verfolgt das Ziel,  die aktuelle Störung zu beenden. Man kann innerhalb der Klasse auf Diskussionen und emotionale Aufschaukelungen vermeiden.
  • Schüler sollen langfristig lernen, für ihr eigenes Verhalten Verantwortung zu übernehmen, das eigene Verhalten zu reflektieren und Verhaltensalternativen zu entwickeln. Dieses Verhalten soll im Anschluss an das Training erfolgreich ausprobiert werden.

Grundlagen:

  • Grundlage ist das eigenverantwortliche Denken und Handeln und der gegenseitige Respekt.
  • Der Trainingsraum ist wichtiger Bestandteil des Sozialen Lernens. Soziale Kompetenzen werden erworben, die nicht nur für das Schulleben, sondern auch für das spätere Berufsleben von Bedeutung sind.

 

Umsetzung:

  • Bei einer auftretenden Unterrichtsstörung weist die Lehrkraft den betreffenden Schüler darauf hin und ermahnt ihn, die Störung einzustellen oder den Klassenraum zu verlassen und den Trainingsraum aufzusuchen.
  • Im Trainingsraum findet dann mit der Trainingsraumlehrkraft  ein reflektierendes Gespräch über die Unterrichtsstörung statt. Ein Plan über das zukünftige Verhalten wird entwickelt.
  • Die Unterrichtsstörung, die Reflektion und die Erarbeitung eines Plans über das zukünftige Verhalten werden durch Laufzettel und Rückkehrplan dokumentiert.
  • Bei wiederholtem Besuch des Trainingsraums werden die Eltern oder Erziehungsberechtigte informiert.

 

Das Trainingsraumkonzept wurde für alle Schüler entwickelt. Stellt sich bei der Beobachtung der Lernenden heraus, dass einzelne Schüler in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung besonders unterstützt werden müssen, dann erfolgt  für diese Schüler mit allen Beteiligten eine Förderplanung, die regelmäßig überprüft werden muss. Hier unterstützen eine Förderschullehrkraft und die Beratungslehrerin.

 

 

  1. Spezielle Maßnahmen für einzelne Schüler

Es gibt Schüler, für die die bisher beschriebenen Mittel nicht ausreichen. Im Rahmen der Kooperativen Förderplanung werden für diese Schüler spezielle Fördermaßnahmen erforderlich. Dies könnte beispielsweise eine Beratung durch den BUS (Beratungs- und Unterstützungssystem für den Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung), die Beratungslehrerin der Schule oder den Schulpsychologen, die Kooperation mit außerschulischen Institutionen oder die Überprüfung bzw. Beantragung des sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs sein.

 

Stundeneinsatz

Für die Umsetzung dieses Förderkonzeptes stehen zurzeit 12 Lehrerstunden zur Verfügung. Drei Lehrkräfte, die sich für die Trainingsraum- Betreuung qualifiziert haben, teilen sich die Stunden und werden dort eingesetzt.

Über die verfügbaren Lehrerstunden hinaus muss in diesem Förderkonzept auf die Notwendigkeit einer Schulsozialarbeiterin /eines Schulsozialarbeiters hingewiesen werden. Viele Schüler unserer Schule wachsen unter extrem belasteten Lebensbedingungen auf, die ihnen ein schulisches Lernen zeitweise kaum möglich machen. Sie brauchen nicht nur im außerschulischen Bereich sonderpädagogische Angebote, sondern auch in der Schule sonderpädagogische Unterstützung, die sie in ihrer Entwicklung positiv stärken.

 

Lüchow,  15. Juli 2014